Kickstarter-Brettspiel mit fehlenden Teilen: Das hilft wirklich
Wenn dein lang erwartetes Kickstarter-Brettspiel endlich ankommt und du beim Auspacken merkst, dass Karten, Miniaturen oder Tokens fehlen, kennt den Ärger wohl jeder Backer. Die gute Nachricht vorweg: Fast alle Hersteller haben für genau diesen Fall feste Abläufe, und mit dem richtigen Vorgehen landen die fehlenden Teile in den meisten Fällen kostenlos bei dir nach. Wie du dabei am besten vorgehst, zeige ich dir hier Schritt für Schritt.
Warum fehlen überhaupt Komponenten?
Fehlerhafte Lieferungen sind bei Crowdfunding-Brettspielen alles andere als selten. Dahinter steckt selten böser Wille, meist sind es ganz praktische Gründe:
- Produktionsfehler in der Fabrik, oft in China oder Vietnam, wo riesige Stückzahlen unter enormem Zeitdruck gefertigt werden.
- Verpackungsfehler, bei denen ein einzelnes Insert-Fach beim Einsortieren schlicht übersehen wird.
- Transportschäden, bei denen Säckchen mit Kleinteilen auf dem langen Weg reißen oder sich öffnen.
- Stretch-Goal-Verwirrung: Manche Backer erwarten Komponenten, die gar nicht Teil ihres gewählten Pledge-Levels waren.
Bevor du also eine Reklamation abschickst, lohnt sich ein genauer Abgleich mit deiner tatsächlichen Pledge-Stufe. Manch ein „Fehler” entpuppt sich bei näherem Hinsehen als Missverständnis.
Schritt 1: Sorgfältig prüfen, bevor du reklamierst
Erstaunlich viele vermeintlich fehlende Teile tauchen beim zweiten, genaueren Blick doch noch auf.
- Packliste vergleichen: Fast jedes Spiel liefert eine offizielle Komponentenliste mit, sei es im Regelheft, auf der Kickstarter-Seite oder auf BoardGameGeek. Hake jedes Element einzeln ab, auch wenn das mühsam erscheint.
- Verpackungsmaterial durchsuchen: Kleinteile verstecken sich gerne in Luftpolsterfolie, Kartonfalten oder zwischen den Trennwänden der Box. Manchmal liegt der fehlende Würfel einfach unter dem Spielplan.
- Stanzbögen (Punchboards) kontrollieren: Manche Tokens wirken „fehlend”, stecken aber noch ungestanzt im Bogen.
- Pledge-Level und Add-ons checken: Ein Blick in dein Kickstarter- oder Pledge-Manager-Konto zeigt, was du tatsächlich bestellt hast, inklusive Erweiterungen und Stretch Goals.
Erst wenn du dir wirklich sicher bist, dass etwas fehlt, geht es weiter zum nächsten Schritt.
Schritt 2: Alles dokumentieren
Eine gute Dokumentation beschleunigt die Bearbeitung enorm, das spart am Ende beiden Seiten Nerven.
- Fotografiere die geöffnete Box von oben, sodass der komplette Inhalt auf einen Blick sichtbar ist.
- Mache Nahaufnahmen von den Insert-Fächern, in denen Teile fehlen.
- Notiere die genaue Komponente: Name, Anzahl, wenn möglich auch die Artikelnummer aus der Packliste.
- Halte Pledge-Nummer, Bestellbestätigung und Lieferadresse griffbereit, bevor du schreibst.
Schritt 3: Den richtigen Kontakt finden
Bei Kickstarter-Projekten gibt es üblicherweise drei mögliche Anlaufstellen:
- Der Publisher direkt, meist per E-Mail oder über ein Support-Formular auf der Firmenwebsite. Bei den meisten Verlagen ist das der schnellste Weg.
- Der Pledge-Manager-Dienst (zum Beispiel Backerkit, Gamefound, Crowdox), dort gibt es oft ein eigenes „Missing Pieces”- oder „Survey”-Formular.
- Der lokale Distributor oder Fulfillment-Partner, falls die Auslieferung über ein regionales Lager lief, etwa in Deutschland oder der EU. Das ist besonders relevant, wenn Versandzeiten und Zollunterschiede ins Gewicht fallen.
Schau zuerst auf der Kickstarter-Projektseite unter „Updates” nach, ob es bereits eine offizielle Anleitung für fehlende Teile gibt. Viele Publisher verlinken dort ein eigenes Formular, das dir einiges an Zeit erspart.
Schritt 4: Die Reklamation richtig formulieren
Eine klare, höfliche Nachricht mit allen Fakten bringt dich am schnellsten zum Ziel. Sie sollte enthalten:
- Spieltitel und Edition (zum Beispiel Deluxe- oder Standardversion)
- Pledge-Level beziehungsweise Backer-Nummer
- Liste der fehlenden Teile mit Fotos
- Lieferadresse für den Ersatz
Tipp: Verzichte darauf, gleich eine komplette Rückerstattung zu fordern. Die meisten Verlage reagieren spürbar schneller und kulanter, wenn klar wird, dass du einfach nur die fehlenden Teile nachgeschickt bekommen möchtest, und nicht gleich dein Geld zurück willst.
Wie lange dauert die Nachlieferung?
Die Bearbeitungszeit schwankt stark, je nachdem, worum es geht:
- Kleinteile wie Karten oder Tokens: oft innerhalb von 2 bis 6 Wochen per Post.
- Größere Komponenten oder Miniaturen: können mehrere Monate dauern, weil sie häufig erst nachproduziert werden müssen.
- Internationale Verlage: Bei Sendungen aus Übersee solltest du zusätzliche Zollverzögerungen einplanen.
Manche Publisher bündeln Nachsendungen auch mit zukünftigen Erweiterungen oder Reprints, um Versandkosten zu sparen. Das klingt wirtschaftlich sinnvoll, kann die Wartezeit für dich aber spürbar verlängern.
Was tun, wenn der Publisher nicht reagiert?
- Prüfe, ob es eine aktive Community zum Spiel gibt, etwa auf Discord, in einer Facebook-Gruppe oder im BoardGameGeek-Forum. Dort berichten oft andere Backer von ähnlichen Problemen und wie sie gelöst wurden.
- Kontaktiere Kickstarter direkt über die Plattform-Hilfe, falls der Publisher komplett untätig bleibt.
- Bei Zahlungen per Kreditkarte oder PayPal bleibt im Extremfall eine Rückbuchung als letztes Mittel, allerdings erst nach mehreren erfolglosen Kontaktversuchen und ausreichend Wartezeit. Das sollte wirklich der letzte Schritt sein, nicht der erste.
Fazit
Fehlende Komponenten bei einem Kickstarter-Brettspiel sind ärgerlich, keine Frage, aber in den allermeisten Fällen lösbar. Entscheidend ist, zuerst gründlich zu prüfen, ob die Teile wirklich fehlen, den Fall sauber mit Fotos und Notizen zu dokumentieren und dann den richtigen Ansprechpartner zu finden, ob Publisher, Pledge-Manager oder Distributor. Mit etwas Geduld, einer klaren Nachricht und ein wenig Wartezeit landet das fehlende Kartenset oder die vermisste Miniatur am Ende doch noch auf deinem Spieltisch.